Ich brauche Hilfe.
Diese drei Worte fallen mir verdammt schwer.
Ich brauche Hilfe.
Nicht, weil ich Mitleid möchte.
Nicht, weil ich gerettet werden muss.
Und auch nicht, weil ich aufgegeben habe.
Sondern weil ich gerade lerne, dass ich vielleicht gar nicht alles alleine tragen muss.
Und das hier zu schreiben, kostet mich Überwindung.
Denn es fällt mir nicht leicht, um Hilfe zu bitten.
Es fällt mir nicht leicht, zu zeigen, dass ich Angst habe.
Dass ich traurig bin.
Dass ich wütend bin.
Dass ich zweifle.
Ich bin es gewohnt, irgendwie weiterzumachen.
Zu funktionieren.
Nach vorne zu schauen.
Für andere da zu sein.
Eine Lösung zu suchen.
Aber wenn diese Seite wirklich beantworten soll, wer ich bin, dann gehören diese Zeilen genauso hierher wie all die Worte über Liebe, Frieden, Gott, Mut und Verantwortung.
Denn ich bin kein perfekter Mensch.
Ich bin ein Mensch.
Und gerade prasselt ziemlich viel Leben auf einmal auf mich ein.
Vor vier Monaten habe ich meinen besten Freund verloren.
an Selbstmord
Meine Mutter hat Krebs.
Letzte Woche ist meine Oma gestorben.
Ich sehe Freunde, denen es nicht gut geht. Menschen, die ich liebe und die selbst nicht wissen, wie es weitergehen soll.
Und irgendwo mittendrin stehe ich.
Mit meinen eigenen Fragen.
Mit meiner Trauer.
Mit meiner Wut.
Mit meiner Hoffnung.
Und mit einem Studium, das ich seit neun Semestern versuche abzuschließen.
Ich bin Heilpädagoge.
Ich habe früh verstanden, dass ich mit Menschen arbeiten möchte.
Ich wollte nie der Größte, Beste oder Wichtigste sein.
Ich wollte helfen.
Ich habe früh verstanden, dass Gemeinschaft etwas Wunderschönes sein kann. Dass soziale Verantwortung wichtig ist. Dass wir aufeinander aufpassen müssen.
Dass eine Gesellschaft nicht daran gemessen werden sollte, wie gut es denen geht, die ohnehin schon alles haben.
Sondern auch daran, wie sie mit denen umgeht, die gerade eine Hand brauchen.
Und vielleicht tut mir deshalb gerade einiges so weh.
Denn Leute, ich sage euch das jetzt tief ehrlich und in tiefer Verbindung mit dem Leben:
Ich bin gerade an so einem Punkt.
Nicht im Sinne von:
Ich bin im Burnout.
Ich kann nicht mehr.
Mir geht es schlecht.
Nein.
Es ist vielmehr dieses Gefühl:
Hallo?
Wacht mal auf.
Seht ihr eigentlich auch, was ich gerade sehe?
Soziales wird abgebaut, anstatt gestärkt.
Unser Essen wird teurer, und gleichzeitig habe ich das Gefühl, seine Qualität wird nicht besser.
Ich schaue meine Freunde an und sehe wundervolle Menschen – aber viele von ihnen sind nicht wirklich glücklich.
Sie sind gestresst.
Vom Leben.
Vom Geld.
Von Erwartungen.
Von sich selbst.
Von ihrem Ego.
Vom Gefühl, immer noch irgendwo hinzumüssen.
Mehr verdienen.
Mehr leisten.
Mehr besitzen.
Mehr darstellen.
Und gleichzeitig sehnen wir uns doch eigentlich nach etwas ganz Einfachem:
Frieden.
Nach einem Leben, das sich wieder nach Leben anfühlt.
Nach Menschen.
Nach Gemeinschaft.
Nach einem verdammten Abend, an dem niemand darüber nachdenken muss, ob er genug ist.
Und ja:
Das macht mich traurig.
Es macht mich wütend.
Es lässt mich zweifeln.
Nicht, weil ich das Leben hasse.
Sondern vielleicht gerade deshalb, weil ich es so sehr liebe.
Weil mir Menschen nicht egal sind.
Weil mir dieses Land nicht egal ist.
Weil mir unsere Natur nicht egal ist.
Weil mir nicht egal ist, in welcher Welt unsere Kinder irgendwann aufwachsen.
Und vielleicht habe ich lange geglaubt, ich müsste deshalb eine Antwort haben.
Ich müsste helfen.
Ich müsste stark sein.
Ich müsste etwas verändern.
Ich müsste das alles irgendwie tragen können.
Aber vielleicht liegt genau darin mein Fehler.
Vielleicht muss ich die Welt überhaupt nicht tragen.
Vielleicht darf ich einfach meinen Teil tun.
Und andere ihren.
Vielleicht bedeutet Gemeinschaft nämlich nicht, dass einer vorne steht und alle rettet.
Vielleicht bedeutet Gemeinschaft:
Wir tragen gemeinsam.
Und deshalb schreibe ich diese Worte heute öffentlich:
Ich brauche Hilfe.
Nicht, weil ich ohne euch nicht mehr kann.
Nicht, weil ihr mich retten müsst.
Und bitte auch nicht, weil ich Mitleid möchte.
Sondern weil ich lernen möchte, etwas zuzulassen, das mir unglaublich schwerfällt:
mich tragen zu lassen.
Hilfe anzunehmen.
Zu vertrauen.
Meine Rüstung auszuziehen und zu sagen:
Ich kenne den Weg gerade nicht vollständig.
Ich habe nicht auf alles eine Antwort.
Ich habe Angst.
Ich zweifle.
Ich bin manchmal wütend.
Und manchmal sitze ich da und denke:
Was zur Hölle passiert hier eigentlich gerade?
Und trotzdem bin ich da.
Ich stehe morgens auf.
Ich versuche es.
Ich liebe.
Ich lerne.
Ich falle.
Ich stehe wieder auf.
Und ich versuche weiterhin, dem Leben zu dienen – so gut ich es eben kann.
Vielleicht habe ich Gemeinschaft mein ganzes Leben lang nur zur Hälfte verstanden.
Ich dachte immer, Gemeinschaft bedeutet:
für andere da zu sein.
Heute lerne ich die andere Hälfte:
andere für mich da sein zu lassen.
Und vielleicht ist genau das gerade meine Aufgabe.
Nicht noch härter zu werden.
Nicht noch stärker zu werden.
Nicht noch mehr alleine zu schaffen.
Sondern weicher zu werden.
Demütiger.
Ehrlicher.
Und endlich zu verstehen:
Ich muss das gar nicht alles alleine schaffen.
Also ja.
Hier stehe ich.
Nicht als Guru.
Nicht als Retter.
Nicht als jemand, der verstanden hat, wie dieses verdammt verrückte Leben funktioniert.
Sondern einfach als Mensch.
Als Gabriel
Mit Liebe im Herzen.
Mit Wut im Bauch.
Mit Trauer in den Knochen.
Mit Hoffnung in der Seele.
Und mit der vielleicht ehrlichsten Bitte, die ich gerade aussprechen kann:
Ich brauche Hilfe.
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Und vielleicht ist das keine Schwäche.
Vielleicht ist es der Anfang von etwas, das ich selbst immer predige und jetzt endlich lernen darf:
Gemeinsam.
in Liebe und Verbundenheit
Gabriel Knecht
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